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Berichte zum Deutschlandtreffen der Ostpreußen
weitere Informationen unter www.Deutschlandtreffen-Berlin.de.vu
Erbe als Verpflichtung Als großen Erfolg konnten die Veranstalter das Deutschlandtreffen der Ostpreußen vom 21. und 22. Mai in der Berliner Messe verbuchen: An den beiden Tagen kamen schätzungsweise 40.000 Menschen, darunter auffällig viele jüngere, in die Messehallen. Insbesondere die Veranstaltungen in der Deutschlandhalle – die Kulturpreisverleihung und die Großkundgebung mit Sachsens Ministerpräsidenten Milbradt – waren sehr gut besucht. Der Sprecher der Landsmannschaft Ostpreußen (LO), Wilhelm v. Gottberg, wertete es als ein hoffnungsvolles Zeichen, daß bereits zum zweiten Mal ein Russe mit dem Ostpreußischen Kulturpreis ausgezeichnet werde. Dies stehe für das Vertrauen und das Verständnis, das sich seit Öffnung der Grenzen zwischen alten und neuen Bewohnern Ostpreußens entwickelt habe. „Zu diesem Brückenschlag“, so v. Gottberg, „haben von deutscher Seite vor allem die Vertriebenen mit ihren Einrichtungen beigetragen.“ Nach Anatoliy Bachtin im Jahr 2000 erhielt der russische Dichter und Übersetzer aus Königsberg, Sem Simkin, den Preis für Literatur. Hildegard Rauschenbach hielt eine sehr persönlich gehaltene Laudatio, die mehrfach durch Beifall unterbrochen wurde. Den Ostpreußischen Kulturpreis für Wissenschaft hatte zuvor Dr. Reinhard Goltz für das „Preußische Wörterbuch“ entgegengenommen, das in einem Zeitraum von 50 Jahren von einer stattlichen Reihe von Wissenschaftlern erstellt wurde. Silke Osman würdigte die Verdienste der Wissenschaftler und blickte zurück auf die Geschichte der Wörterbücher im niederpreußischen Sprachraum. (Wir werden über die Verleihung und die Preisträger in den nächsten Folgen ausführlich berichten.) In seiner Ansprache zur Eröffnung des Deutschlandtreffens stellte Wilhelm v. Gottberg die Schwierigkeiten dar, mit denen die Heimatvertriebenen und ihre Einrichtungen noch immer konfrontiert werden. Dennoch gebe es „Zeichen einer neuen Offenheit gegenüber dem Vertreibungsschicksal. Die historische Wahrheit über diesen Teil der deutschen Geschichte kommt ins Blickfeld“, hob der Sprecher der LO hervor. „Dem entgegen steht jedoch die Lage der offiziellen Förderung für die deutschen Heimatvertriebenen und ihrer Einrichtungen durch die amtierende Bundesregierung.“ Von 1997 bis zum Jahr 2005 habe man Kürzungen von über 50 Prozent hinnehmen müssen. „Es gibt keinen anderen Haushaltsbereich, wo so umfassende Einschnitte vorgenommen worden sind. Dahinter verbirgt sich nicht nur der allgemeine Sparzwang, sondern politische Ideologie.“ Der Sprecher erinnerte an die Bundestagsdebatte vom 27. Mai 2004 über einen Antrag der CDU/CSU-Fraktion zum Thema „Das gemeinsame historische Erbe für die Zukunft bewahren“. Der gleichzeitig von Kulturstaatsministerin Christina Weiss vorgelegte Bericht gemäß § 96 Bundesvertriebenengesetz für die Jahre 2001 und 2002 bestehe durchgängig aus Lob für die Kulturpolitik der Bundesregierung, kritisierte v. Gottberg. „Im Bericht ist dann festzustellen, daß das Wort und der Begriff ostdeutsch fast durchweg durch das Wort osteuropäisch ersetzt wurde. Wollen die in der Kulturarbeit Tätigen noch mit einer Förderung rechnen, sind sie gut beraten, die neue Sprachregelung zu akzeptieren. Die Verdrängung des Begriffs ostdeutsch durch osteuropäisch soll Tore jenseits der Grenzen öffnen. Die sind aber lange offen. In Wirklichkeit dient diese Maßnahme einer geistigen Vertreibung aus der Kultur und Geschichte Ostdeutschlands.“ „Wesentliche Wurzeln der deutschen Identität liegen in der ostdeutschen Kultur und Geistesgeschichte“, betonte v. Gottberg. „Weder Vertreibung noch gewalttätiges Auslöschen der Spuren jener Prägung, und auch nicht eine Politik, die sich wurzellos und bußfertig ihres Erbes entledigt, können diese emotionalen Bindungen langfristig auslöschen.“ Er schloß mit einem Zitat des 1967 in Nürnberg geborenen Philosophen Seubert: „Die Erinnerung der Kultur des deutschen Ostens als unverlierbarer Teil nationaler Identität von Deutschland in Europa ist heute im Jahr des Gedenkens an den 60. Jahrestag des Kriegsendes und in einer sich globalisierenden Welt besonders akut. Das Vermächtnis der großen Kunst und des Denkens und Dichtens im deutschen Osten verweist auf Quellen, auf die sich jener Patriotismus als aus der Herkunft stammende Zukunftsorientierung berufen kann. Das Erbe ist Verpflichtung, zugleich aber Orientierung.“ „Diese Fixpunkte der Orientierung wollen wir uns nicht durch eine von Ideologen geprägte Kulturpolitik nehmen lassen“, forderte v. Gottberg an Ende seiner Ansprache, die immer wieder von lebhaftem Beifall unterbrochen worden war. - os/H.J.M Das Referat von BdV-Präsidentin Erika Steinbach, die Laudationes und Dankreden der Preisträger sowie die Reden auf der Großkundgebung von Georg Milbradt und Wilhelm v. Gottberg werden wir in den nächsten Folgen der PAZ im Wortlaut dokumentieren.
Laudatio: Preußische Gesinnung
Bereits 1974 betrat er sein zweites Hauptwirkungsfeld: die Vertriebenenarbeit. Sein patriotisches Pflichtgefühl veranlaßte ihn, in einer Zeit der veränderten politischen Lage für die deutschen Heimatvertriebenen, in der durch die Einleitung einer neuen Ostpolitik durch die damalige Bundesregierung unter Brandt und Scheel der politische Konsens mit den deutschen Heimatvertriebenen aufgelöst worden war, heimatpolitisch Flagge zu zeigen. Die Verwaltung der Teilung Deutschlands mit den unverbindlichen Deklamationen, die Strategie einer Humanisierung der Teilung, die Reden vom Ende der Nationalstaaten oder von der Normalisierung der Teilung Deutschlands, das Ausblenden der Oder-Neiße-Frage und der Anliegen der deutschen Heimatvertriebenen waren wesentliche Antriebskräfte dafür, daß sich Wilhelm v. Gottberg aus verantwortungsethischen Gründen verpflichtet fühlte, sich für seine Schicksalsgefährten, die deutschen Heimatvertriebenen, auch innerhalb des Vertriebenenverbandes nachhaltig zu engagieren. Binnen weniger Jahre erreichte er herausragende Führungspositionen in den Gremien der deutschen Heimatvertriebenen. Zunächst von 1987 bis 1991 stellvertretender Landesvorsitzender des BdV-Landesverbandes Niedersachsen, ist er seit 1992 Vizepräsident des Dachverbandes BdV. In der Landsmannschaft Ostpreußen ist er seit 1987 Mitglied der Ostpreußischen Landesvertretung, des obersten Beschlußorgans der Landsmannschaft. Des weiteren war Wilhelm v. Gottberg von 1987 bis 1993 Landesgruppenvorsitzender der Landesgruppe Niedersachsen in der LO. 1989 wurde er Mitglied des Bundesvorstandes, in einer Zeit, in der durch den Fall der Mauer in Deutschland plötzlich die deutsche Frage ganz oben auf der Tagesordnung der Weltpolitik stand und 1990 verstärkt die Diskussion um den Verzicht auf die deutschen Ostgebiete in Vertriebenenkreisen ausbrach. In der tiefen Krise der Landsmannschaft Ostpreußen, die durch das Abstimmungsverhalten des damaligen Sprechers, Dr. Hennig, im Deutschen Bundestag über die Grenzfrage im Hinblick auf die deutschen Ostgebiete ausgelöst worden war, zählte Wilhelm v. Gottberg zu den führenden Verfechtern eines gradlinigen und selbstbewußten politischen Vertriebenenkurses innerhalb der LO. In dieser Phase der verbandsinternen Zerreißprobe war es maßgeblich mit sein Verdienst, daß die LO nicht ihre politische Glaubwürdigkeit verloren, ihre Politikfähigkeit behalten und sich nicht zu einem Traditions- und Erinnerungsverein entwickelt hat. Wilhelm v. Gottberg zeigte Führungsverantwortung und wurde 1990 Stellvertretender Sprecher der LO; dieses Amt bekleidete er bis 1992. Seit 1992 ist er Sprecher der LO. Kontinuität und Perspektive zeichnen sein politisches Wirken im Vertriebenenbereich aus. Sein unermüdlicher Einsatz für Recht und Gerechtigkeit war und ist sein politischer Kompaß. Sein Eifer für das Recht drückt sich in vielen seiner glanzvollen Reden aus. Seine politischen Reden auf den Deutschlandtreffen der Ostpreußen 1994, 1997, 2000 und 2002 sind ebenso wichtige Grundpfeiler in der Standortbestimmung der LO, wie seine Aussagen in der Preußischen Allgemeinen Zeitung und auf den Sitzungen der Ostpreußischen Landesvertretung. Seitdem Wilhelm v. Gottberg als Sprecher der LO fungiert, hat er wesentlich dazu beigetragen, daß die Landsmannschaft in der Öffentlichkeit und bei den ostpreußischen Landsleuten wieder moralische Autorität, Ansehen und Vertrauen gewonnen hat. Er hat aber nicht nur durch seine Reden Zeichen gesetzt, sondern auch durch seinen umfangreichen Einsatz an der Basis. Seit 1991 hält er jährlich circa 30 Vorträge vor Heimatvertriebenenorganisationen des BdV und der LO. Dank seiner Sparsamkeit gelang es ihm, der LO erhebliche Rücklagen zu sichern. Den Verein Ostheim e.V., dessen Vorstandsvorsitzender Wilhelm v. Gottberg seit 1995 ist, konnte er durch eine völlig neu gestaltete Organisationspolitik wieder in die Gewinnzone bringen. Der Erweiterungsbau des Ostheims trägt deutlich seine Handschrift. Die Beziehungen zum Patenland Bayern wurden durch viele vertrauensbildende Maßnahmen gefestigt. Dies sind nur einige Beispiele aus seiner Erfolgsbilanz. Daneben bekleidet Wilhelm v. Gottberg eine Reihe von Funktionen in weiteren ostpreußischen und ostdeutschen Einrichtungen. So ist er seit 1994 Vorsitzender des Stiftungsrates der Ostpreußischen Kulturstiftung und seit 1999 stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung Ostpreußen. Dem Kuratorium der Ostdeutschen Galerie in Regensburg gehört er seit dem Jahre 2003 als Mitglied an. Von 1994 bis 2004 wirkte Wilhelm v. Gottberg zudem als stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums der Kulturstiftung der Vertriebenen. Aufgrund einer Vakanz ist er auch zeitweise Vorsitzender dieses Gremiums gewesen. Die Landsmannschaft Ostpreußen verleiht ihrem langjährigen Sprecher, Herrn Wilhelm v. Gottberg, für seine in überzeugender preußischer Gesinnung und Haltung erbrachten Leistungen für Ostpreußen und die Ostpreußen sowie für seinen unermüdlichen Einsatz für die Rechte der Vertriebenen in dankbarer Anerkennung den Preußenschild als ihre höchste höchste Auszeichnung.
Da ist der Bär los Ein betörender Duft zieht durch die Luft, süßlich und doch frisch, an Honig erinnernd. Leuchtend gelbe Rapsfelder säumen den Weg. Fast bis an den Horizont reichen sie, nur unterbrochen von kleinen Wäldchen oder Knicks. Im frühsommerlichen Sonnenlicht strahlt das Gelb noch intensiver als sonst. Die Augen schmerzen, man will sie schließen, doch muß man sich auf den Straßenverkehr konzentrieren, schließlich will man heil in Berlin ankommen. Die Rapsfelder wechseln sich mit den für diesen Landstrich so typischen Kiefernwäldern ab. Sandige Wege sind entlang der Straße zu erkennen, Wege, die auch Theodor Fontane einst gegangen sein mag auf seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Ortsnamen wie Neuruppin, Fehrbellin oder Rheinsberg, die auf Wegweisern im Vorüberfahren zu entdecken sind, stimmen ein auf Preußen. Endlich Berlin. In der Stadt steppt wie immer der Bär. Es ist viel los. Baustellen auf der Achse Heerstraße – Straße des 17. Juni – Unter den Linden, natürlich auch Autokolonnen, Ströme von Touristen. Das alles scheint den großen Friedrich nicht zu erschüttern; er sitzt erhobenen Hauptes auf seinem Roß und blickt – preußisch korrekt – in Richtung Humboldt-Universität, derweil auf der anderen Seite viel nackte Haut auf einem überdimensional großen Plakat für ein schwedisches Modeunternehmen wirbt. Preußen pur gilt es an diesem vorletzten Wochenende im Mai in den Messehallen am Funkturm und in der Deutschlandhalle zu erleben. Schon früh sind die Hallen 2 und 4 belebt. Aus allen Himmelsrichtungen sind sie gekommen, um alte Freunde zu treffen, Erinnerungen auszutauschen. Große Schilder über den langgestreckten Tischen weisen auf die Herkunftsorte hin; nicht bei allen sind die Plätze belegt. Die Zeit hat ihre Lücken gerissen. Und doch ist ein Summen und Brummen in der Luft, das entsteht, wenn viele Menschen in einem Raum gleichzeitig reden. Nicht sehr viel ruhiger geht’s in Halle 4 zu, dort wo die Ausstellungen und Verkaufsstände zu finden sind. Preußen pur auch hier. Am Stand der Preußischen Allgemeinen Zeitung (PAZ) sind Redakteure bemüht, auf alle Fragen der Leser Antworten zu finden. Selbst die „große alte Dame“ der Redaktion, Ruth Geede, hat es sich nicht nehmen lassen, nach Berlin zu kommen. Sie beantwortet die unterschiedlichsten Fragen der Ostpreußischen Familie und weiß Rat in (fast) allen Lebenslagen. Am Stand des Preußischen Mediendienstes (PMD) ist besonders reges Treiben. Viele Meter Bücher sind im Blick zu haben. Wo liegt der gewünschte Titel? Ist genügend Wechselgeld da? Der genaue Beobachter fragt sich im stillen, wer wohl mehr ins Schwitzen (pardon, meine Damen) kommt – die Mitarbeiterinnen beim PMD oder die beim Vertrieb der PAZ. „Bekommen Sie eigentlich Kilometergeld, soviel wie Sie hin- und herlaufen müssen?“ Auch dort Fragen über Fragen, aber auch Anregungen. Mit einem Lächeln wird so manches Problem schnell aus der Welt geschafft. Da haben es die Mitarbeiterinnen am Info-Stand am Eingang Süd schon etwas schwieriger. Immer wieder müssen sie Suchmeldungen durchsagen, Verbindungen herstellen zwischen Landsleuten, die sich verpaßt haben. Aber es werden auch verlorene Kameras oder Schirme abgegeben. Die müssen erst einmal sorgsam verwahrt werden, bis der Eigentümer sich meldet. Eine vermißte Ehefrau und sogar ein Portemonnaie mit persönlichen Papieren finden sich schließlich wieder ein. Auch im Orga-Büro, ganz am Ende der Halle 4 gelegen, und eigentlich ein Ort der Konzentration und Ruhe, ist hin und wieder der Bär los. Warum auch nicht, schließlich ist man ja in der Stadt, die Meister Petz im Wappen trägt. Auch hier immer wieder Fragen, die einen aus dem Konzept bringen können: Wo ist das Klo? Gibt’s hier einen Geldautomaten? Wann fährt die nächste S-Bahn? Nicht immer kann da geholfen werden. Doch die Damen aus der LO-Geschäftsstelle sind auch zu späterer Stunde noch guten Mutes. Überhaupt war dieses Deutschlandtreffen der Ostpreußen ein Treffen, das von einer Heiterkeit geprägt war, wie man sie sonst selten auf derartigen Veranstaltungen angetroffen hat. Anna S. aus Insterburg: „Ich habe schon so viele Treffen mitgemacht. Ich war in Köln, in Düsseldorf und auch in Leipzig dabei, aber in Berlin, das war besonders schön. Vielen Dank!“ Silke Osman
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