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Wechsel in den Ämtern
 

 
Kreis Johannisburg Ostpreußen
  
Kreisgemeinschaft
Johannisburg
e. V.

 

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Wechsel in den Ämtern der Kreisvertreter

Ein Rückblick von Gerhard Wippich

Bis zur Niederlegung meines Amtes als Vertreter unserer Gemeinschaft am 31.8.2003 war es ein weiter Weg, den ich über 30 Jahre in Begleitung von Gerhard Bosk als meinem Stellvertreter gegangen war, der gleichzeitig für sich dieselbe Entscheidung getroffen hatte.

Bereits im Jahre 1948 hatte der erste Kreisvertreter von Johannisburg, Fritz-Walter Kautz, von anderen Persönlichkeiten unterstützt, die Landsleute nach der Vertreibung aus der Heimat zu sammeln begonnen. Unser letzter Landrat in Johannisburg, Herr Herbert Ziemer, war bei Kriegsende Landrat im Landkreis Flensburg. So wurde 1953 durch dessen Landrat. Dr. Schlegelberger die Patenschaft für den Kreis Johannisburg eingeleitet und durch den Kreistag 1954 beschlossen, Durch die Vertreibung war die Funktion der Verwaltungseinrichtungen der Gemeinden, der Städte und der Kreise zusammengebrochen. Gerade in dieser wichtigen Phase unserer Sammlung fehlte uns ein gemeinsamer Anlaufpunkt für benötigte Hilfe. Wir sahen in der 1954 gegründeten Kreisgemeinschaft keinen Ersatz, auch nicht in einer „ideellen", d. h. in Wirklichkeit nur gedachten Form.

So folgten wir auch nicht dem Irrweg, uns Gedanken über den Status unserer Kreisgemeinschaft zu machen. Wir konnten als gemeinnütziger, eingetragener Verein aus eigenem Recht unser Anliegen durchsetzen. Darüber hinausgehende Anliegen fanden in dem gelebten Patenschaftsverhältnis ihre Wirkungsstätte und dies klappt bis in unsere Tage.

Eines der wichtigsten Anliegen war die karteimäßige Erfassung unserer Landsleute im Zeitpunkt der Vertreibung, die auf 40.000 Karteikarten festgehalten wurde. Noch heute bildet diese Kartei eine wichtige Quelle unserer Identität, zumal uns die Kirchen- und Standesamtsbücher fehlen. Die Patenschaft ist nach der kommunalen Neuordnung in Schleswig-Holstein nahtlos von dem neuen Kreis Schleswig-Flensburg übernommen worden. Dessen Partnerschaft zum jetzigen Kreis „Stadt und Land Johannisburg" bewahrt unseren Verein vor unwürdigen Schaustellungen. Er bleibt in Würde gegen jedermann frei handlungsfähig.

Die Kreisgemeinschaft wählte mich am 29. August 1971 zum Kreisvertreter, nachdem ich bereits seit 10 Jahren stellvertretender Vorsitzender gewesen war. Am selben Tag wurde Gerhard Bosk zu meinem Stellvertreter gewählt. Es wurde eine Zeit beispielloser Zusammenarbeit in vielerlei Formen. Die gemeinsame Entscheidung zur Abgabe dieser Ämter war folgerichtig. Unsere Nachfolger, Willi Reck im Amt des Kreisvertreters und Herbert Soyka als dessen Stellvertreter, haben einstimmig das volle Vertrauen des Kreistages erhalten.

Wir wissen unsere Aufgaben in besten Händen.

Möge ihrer Arbeit die Unterstützung aller Kräfte der Kreisgemeinschaft zufallen, so wie wir sie erhalten haben und ohne die unsere Arbeit nicht möglich gewesen wäre. An dieser Stelle muss berichtet werden, dass auch Klaus Beyer seit 1971 stellvertretender Kreisvertreter war, bis er 1993 nach einer eigenen Entscheidung sein Amt aufgab. Er hat bei uns vieles entscheidend bewegt, worauf zurückzukommen sein wird. Diese Ausführungen können für die lange Zeit nur eine stark geraffte Zusammenfassung sein. Einzelheiten finden sie in den früheren Heimatbriefen.

Hofften wir in den Jahren nach dem Kriegsende noch, in die Heimat zurückkehren zu dürfen, ist dieser Wunsch unerfüllt geblieben. Die politischen Gremien haben anders entschieden. Die Bundesrepublik hat ihren in der Anfangsfassung des Grundgesetzes festgeschriebenen Wiedervereinigungsauftrag Deutschlands nach dem Zusammenschluss Mitteldeutschlands mit der Bundesrepublik als erfüllt angesehen. Eine Wiedervereinigung mit unserer Heimat wurde nicht einmal angesprochen, so als hätte es Ostdeutschland nie gegeben.

Nach der Sammlung unserer Kreisangehörigen in unserer Gemeinschaft erstreckte sich die Arbeit zunehmend auf die Sammlung noch vorhandener Kulturgüter, die Fürsorge für die in der Heimat verbliebenen Kreisangehörigen und die Stärkung unseres Selbstverständnisses als einem gleichwerten Teil unseres Volkes in unserer Geschichte.

Die früher als selbstverständlich angesehene Fürsorgepflicht für die deutsche Restbevölkerung in Ostpreußen wurde durch die Bundesrepublik weitgehend aufgegeben. Nur noch ein an die offizielle Politik angepasstes Handeln ist förderungswürdig geblieben. Wir können aber stolz darauf sein, dass wir dank Ihrer Spenden unsere Unabhängigkeit bewahren konnten.

Die von Klaus Beyer eingeleitete Zusammenarbeit mit der Johanniter-Unfallhilfe hat zur Gründung einer Sozialstation in Johannisburg geführt. Sie dient segensreich alten, hilflosen Menschen.

Die Spenden ermöglichen auch die von Gerhard Bosk getragene Masurenhilfe mit der Kleiderkammer in Johannisburg. Wir konnten den Zusammenhalt der in der Heimat verbliebenen Deutschen im Kulturverein Rosch stärken. Hier haben sich die im Amt des Stellvertreters Nachfolgenden Ulrich Haffke und Wilhelm Czypull besonders eingesetzt.

Die Deutschen im Heimatkreis waren nach Jahren der Unterdrückung ihrer ethnischen Identität auch materiell im Armenhaus eines Staates gelandet. Zu einem kulturmäßigen Status einer ethnischen Minderheit langt es nur in Ansätzen, wenn man darunter eine in sich geschlossene Volksgruppe versteht. Die jahrzehntelange Unterdrückung zeigte ihre Spätfolgen. Die Persönlichkeit von Mira Kreska ist ein Rettungsanker.

Ob angesichts der äußeren Umstände eines übermächtigen konfessionellen und nationalistischen Umfeldes eine Veränderung angestrebt werden sollte, haben ausschließlich die unmittelbar Betroffenen zu entscheiden. Hilfestellungen hierzu sollten sich im Rahmen konkreter Wünsche halten.

Einen besonderen Stellenwert in der Arbeit der Kreisgemeinschaft hat unsere Berliner Gruppe. Sie hatte sich innerhalb der Berliner Landesgruppe der Ostpreußen unter ihrem ersten Leiter Willi Skock aus Kölmerfelde zusammengefunden. Ihm folgten im Amt Heinrich Wischnewski aus Ruhden und der aus Baden stammende August Breig. Letzterer war mit Hildegard Schulz aus Woinen verheiratet.

Seit mehr als 10 Jahren ist Christel Koslowski, geb. Bosk die Vorsitzende, der als Geldverwalterin Edeltraud Ziegelowski, geb. Joswig aus Gehlenburg, zur Seite steht.

Zu der Berliner Gruppe fanden viele Landsleute aus unserem Kreis, die bereits nach dem 1. Weltkrieg nach Berlin gezogen waren.

Diese Berliner Gruppe hat sich besonders beispielhaft bei der Betreuung der in der Heimatverbliebenen Deutschen eingesetzt. Nun verstärkt sie auch die Mühen um den Zusammenschluss der in Mitteldeutschland wohnenden Johannisburger.

Unsere Gemeinschaft hat auch sehr wirksame Unterstützung der Deutschen in der Heimat durch nicht in der Kreisgemeinschaft organisierte Landsleute erfahren dürfen.

In dem hier zum Rückblick anstehenden Zeitraum waren wir bemüht, unser Kulturgut aus unserer Sicht zu dokumentieren und damit greifbar in unserem Bewusstsein zu erhalten.

Nach dem Heimatbuch von Emil Johannes Gutzeit „Der Kreis Johannisburg" folgten das Buch „Heimat umgeben von Wäldern und Seen", dann „Heimat Masuren, ein Naturparadies", und zuletzt der Dokumentarband „Im Lichte der Erinnerung", herausgegeben von der Kreisgemeinschaft.

Mit zwei großen, weit über den Kreisrahmen hinausgehenden Ausstellungen zeigten wir unsere Einbindung in die preußisch-deutsche Geschichte. Klaus Beyer und Prof. Dr. Stribny gestalteten die Ausstellungen „Ostpreußen - Preußen - Deutschland" im Jahre 1984 und „Menschen unterwegs, am Beispiel Ostpreußen" im Jahre 1991. Letztere wurde außer in Flensburg auch in Memel, in Königsberg und in Johannisburg gezeigt.

Den Grundstein für 165 Ortsskizzen trug nach den Vorlagen der Bewohner der jeweiligen Dörfer Gerhard Wydra zusammen.

Bewegte Bilder unserer Heimat gestaltete Herbert Wallner in vielen Videofilmen. Unserem Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg konnten wir die Erstellung des Glockengestühls für gerettete ostpreußische Glocken wie den Erwerb einmaliger Kunsterzeugnisse sichern. Alle diese Ergebnisse sind nicht nur dem Verdienst Einzelner zuzuschreiben. Sie alle erforderten einen erheblichen finanziellen Aufwand. Diesen haben alle die Kreisangehörigen getragen, die uns treu mit ihren Spenden unterstützt haben. Damit haben sie nicht nur die nicht unerheblichen Kosten für den Heimatbund erbracht, sondern uns auch die anderen Leistungen ermöglicht. Wir hingen nie an Geldquellen, die unsere Unabhängigkeit gefährdet hatten. Unsere von Gerhard Bosk erstellten und gesammelten Bilder aus unserer Heimat fanden eine qualitativ wertvolle Ergänzung durch den Ankauf der Bilder des verstorbenen mitteldeutschen Künstlers Klaus Jürgen Hofer, die er in Masuren aufgenommen hatte.

Wir unterstützten die von den Eheleuten Waltraud Timman geb. Skorzik und Hans Heinrich Timmann herausgegebene Chronik des Dorfes Gutten J als dem Beispiel der Entstehung eines Dorfes in Masuren. Die Aufarbeitung der Geschichte der Juden im Kreis Johannisburg ist noch nicht vollendet. In unser Eigentum ist die umfangreiche Sammlung der Baugeschichte der Stadt Johannisburg übergegangen, die Wolfgang Lotz nach dem Krieg aus vielen Quellen zusammengetragen hat.

Letztlich hat uns jetzt unser Heimatdichter und -forscher Güntzer Schiwy seine Arbeiten übergeben, die sich überwiegend mit der Lebensweise und den Bräuchen der Menschen in der Heide befassen. Mit seinen Arbeiten kommt er dem Leben der Menschen in Masuren sehr nahe. Die Verbindung zur Heimat ist mit ungezählten Busfahrten gepflegt worden. Hier haben Gerhard Bosk, Wilhelm Czypull, Ulrich Haffke, Gustav Dzewas, Berndt Warda, Kurt Zwickla und auch andere die Fahrten sachkundig organisiert und begleitet. Durch sie wurde der Zusammenhalt der Orts- und Kirchspielgemeinschaften ausgebaut und gepflegt. Hier reisten überschaubare Erlebnis- und Schicksalsgemeinschaften zusammen. Jede Fahrt war eine Bereicherung, verstärkte jedoch mit jeder erneuten Trennung am Ende der Fahrten das Bewusstsein, ein Vertriebener zu sein. Man ließ die Heimat zurück, um in der Zerstreuung zu landen.

Dieser Rückblick über Jahrzehnte hinweg muss auch die Persönlichkeiten erfassen, die unseren Weg mit der Patenschaft begleitet haben. Beginnend mit den Mitbegründern der Patenschaft, dem Landrat Herrn Dr. Schlegelberger und Herrn Kreispräsidenten Jensen, haben uns als Landräte die Herren Gerd Lausen, Dr. Korthals und Dr. Kamischke begleitet. Mehr als zwei Jahrzehnte war uns der Ehrenkreispräsident, Herr Andreas Franzen, ein guter Freund. Ihm folgte als Kreispräsident Herr Johannes Petersen, bei dem wir unser Anliegen in guten Händen wissen.

Den verwaltungsmäßigen Bezug erledigte Herr Oberamtsrat Autzen. Nun betreut uns seit vielen Jahren und über seine beamtenrechtliche Dienstzeit hinaus der Amtsleiter Herr Helmut Thomsen. Ohne diese Persönlichkeiten hätte die Patenschaft nicht diese persönlichen und auch erfolgreichen Bindungen entstehen lassen.

Aus unseren Reihen möchte ich auch mit Freude die Kreisangehörigen nennen, die selbstlos tätig waren. Es war zuerst der Oberförster Oswald Vogel, dessen Einsatz in der Organisation beispiellos war.

Um unsere Finanzen kümmerten sich die Kreisangehörigen Willy Christofzik, Rudolf Niederhausen, Walter Sagorski, Frau Ellen Wallner, Karl Goerke, Günther Boettcher und jetzt Kurt Fischer. Frau Gertrud Michelmann erstellte unsere große Kartei, die Schriftführung besorgte über Jahrzehnte hinweg Roswitha Thomsen. Sie wird nunmehr von Sieglinde Falkenstein betreut. Frau Christa Krüger, Max Maseizik und Kurt Zwikla bereiteten unsere Treffen in Hannover, Dortmund und Düsseldorf vor und leiteten sie. Es wurden Eckpunkte unsere Zusammenhalts. Um die Arbeit am Heimatbrief machten sich neben Gerhard Bosk Frau Eva Klischewski und Doris Woytewitz verdient.

Letztlich haben unsere Stellvertreter Klaus Beyer, Ulrich Haffke und Wilhelm Czypull die Arbeit der Gemeinschaft richtungsweisend mitbestimmt. Ihnen war gemeinsam die Fürsorge für die Menschen im Kulturverein Rosch. Hierbei hatte Wilhelm Czypull, zuletzt begleitet von Willi Reck, entscheidenden Anteil an dem Wiederaufbau der Kapelle auf dem Johannisburger Friedhof.

Möge dieser Kapelle die große Bindungswirkung zwischen der Geschichte unserer Heimat und den aus ihr stammenden Menschen zuwachsen. Sie kann als Friedenskapelle ihrer Bestimmung gerecht werden.

Wir sind sicher, dass das Prinzip der Eigenverantwortung der vielen Mitarbeiter aus der Kreisgemeinschaft, eingebunden in das Gesamtanliegen der Kreisangehörigen, unserer Arbeit Erfolg gebracht hat. So bleibt der Wechsel in der Kreisvertretung im natürlichen Ergänzungsprozess und wird diese fortsetzen lassen.

Im Rückblick können wir feststellen, dass wir unseren Aufgaben zumeist gerecht zu werden suchten. Wir haben nicht erreichen können, dass wir in unsere Heimat zurückkehren durften. Die Besuchsreisen haben einerseits unseren Zusammenhalt gestärkt, andererseits uns auch bewusst gemacht, dass die heutigen Verhältnisse nicht unserem Bild der Heimat entsprechen. Der grausame Willkürakt der Vertreibung ist weder aufgearbeitet worden noch von den nicht direkt Betroffenen dauerhaft als Verbrechen gegen die Menschheit wahrgenommen worden. Ansonsten gäbe es nicht den Streit um das Zentrum gegen Vertreibungen.

Wir haben versucht, und wir werden es weiter tun, den Abschnitt unserer ostpreußischen Geschichte, unter welcher Obrigkeit auch immer, unseren Nachfahren zusammenfassend zu überliefern.

Wir wollten nicht dem Zeitgeist des Gutmenschen erliegen. Wir wollen nicht zur Tagesordnung übergehen, ohne dass die Akte unserer Vertreibung als Lehrstück menschlicher Verirrung geöffnet bleibt. Ohne Verinnerlichung der Fehlentwicklung im Zusammenleben der Völker bleibt der Frieden gefährdet.

Auch der Zusammenschluss der Völker Europas kann dauerhaft nicht auf brüchigen Fundamenten gegründet werden. In den auch für die heutige Zeit noch immer auf die Zukunft gerichteten Aussagen unseres Königsberger Philosophen Immanuel Kant, hier in seiner Schrift „Vom ewigen Frieden", hätten wir beachtenswertes Gedankengut aufzunehmen. Das stünde uns besser an, als dem Phantom einer glorreichen Geschichte nachzulaufen, die immer auf ihre Zeit und die darin lebenden Menschen bezogen gewertet werden muss und die sich nicht wieder herstellen lässt. In unserer Gemeinschaft haben wir versucht, uns im Zusammenhalt unser Selbstwertgefühl zu erhalten. Auch außerhalb unserer Heimat haben wir den Boden für ein lebenswertes Leben geschaffen.

Einen billigen Ausgleich für den Verlust unserer Heimat gibt es nicht. Nach den langen Jahren eines gemeinsamen Weges habe ich allen Kreisangehörigen zu danken. Die Gemeinschaft wird den Weg in Würde fortsetzen. Ich wünsche unseren Nachfolgern im Amt mit Ihrer Unterstützung viele gute Jahre der Arbeit für Ostpreußen.

Quelle:
Johannisburger Heimatbrief 2004, Seite 14-17

 

Grußwort Patenkreis Grußwort Kreisvertreter Wechsel in den Ämtern 49. Hauptkreistreffen Der Friedhof lebt auf

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Stand: 08. Januar 2011