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48. Hauptkreistreffen Dortmund am 31.8.2003 Das 48. Hauptkreistreffen der Kreisgemeinschaft fand am 31. August 2003 im Goldsaal und Foyer der Westfalenhalle in Dortmund statt. Knapp 400 Teilnehmer haben sich zum Treffen eingefunden. Die Feierstunde stand unter dem Leitwort "Mit Menschenrechten Europa vollenden" und wurde mit einem Musikstück, vorgetragen vom Instrumentalkreis Familie Oleg Zuchenko, begonnen. In seiner Begrüßung hieß Herbert Soyka die Anwesenden herzlich willkommen, unter ihnen wiederum eine kleine Delegation des Deutschen Vereins "Rosch" aus Johannisburg und einige Gäste aus dem regionalen Umfeld. An den im Foyer aufgestellten Ständen der Kreisgemeinschaft und der Kreisgruppe Köln in der Landsmannschaft Ostpreußen gab es Literatur, Bildmaterial, Bernstein und andere ostpreußische Artikel. Zum Arno-HoIz-Förderkreis Deutschland 2001 — ostpreußische Schriftsteller — gesellte sich erstmalig der Bund Junges Ostpreußen (BJO), Regionalverband West mit einer Präsentation. Im Ablauf des Programms folgten ein ökomenisches Kirchenlied "Sonne der Gerechtigkeit" und eine Andacht. Sie ist dem Bibeltext aus Psalm 8 entnommen und hat Gottes Größe in der Schöpfung, sowie des Menschen Niedrigkeit und Hoheit zum Inhalt und wurde von Doris Woytewitz gehalten. In der Auslegung wird ein weiter Bogen gespannt von Himmel, Mond und Sternen, kurz vom Universum mit seinen unvorstellbaren Dimensionen bis zur Erde, die wie ein Staubkorn im weiten Weltall anmutet. Wie klein und unbedeutend der Mensch als Bewohner dieser Erde ist. Und doch ist ihm vom Gott eine hohe Würde verliehen, eine Verantwortung für die Schöpfung übertragen worden. Wir haben die Aufgabe erhalten, sie zu bewahren und erhalten. Die Verantwortung hat der Mensch aber auch für sich selbst, dabei berücksichtigend, dass aus der Nächste, der Mitmensch ein Recht auf Entfaltung und Freiheit hat, wie er selbst. Wir wollen uns aber stets bewusst sein, dass wir Gottes Freundlichkeit, seine Gnade, seinen Segen brauchen, dann auch Segen für andere sein können. "Ännchen von Tharau" und "Im schönsten Wiesengrunde" waren Gesangsstücke des Dortmunder Chores der "Deutschen aus Rußland" unter der Leitung von Boris Kuferstein vor und nach der Totenehrung, die Eva Klischewski sprach. Willi Reck rezitierte aus dem Gedichtsband "Unvergessene Heimat" das Gedicht "Heimatlos". Frau Jörder, Vorsitzende des Ausschusses für Kultur und Freizeit, übermittelte Grüße von Herrn Dr. Langemeyer, Oberbürgermeister der Stadt Dortmund, zum Heimatkreistreffen der Johannisburger und wünschte der Kreisgemeinschaft eine erfolgreiche zukünftige Arbeit und für das Treffen eine angenehme Atmosphäre. In ihrer Grußbotschaft hob sie hervor, dass ein Großteil der Vertriebenen im Nachkriegsdeutschland, auch im Dortmunder Gebiet eine zweite Heimat gefunden hat. Für die Stadt Dortmund war es immer schon eine Selbstverständlichkeit, den heimatvertriebenen Unterstützung und Aufgeschlossenheit entgegenzubringen, eine langjährig unterhaltene Patenschaftsbeziehung zum Stadt- und Landkreis Waldenburg [Schlesien] bringe das deutlich zum Ausdruck. Durch Veränderung der politischen Gegebenheiten hat sich Europa auf friedlichem Wege grundlegend gewandelt. In den Zeiten des Zusammenwachsens übernehmen Regionen Mittlerfunktionen zwischen Völkern und Menschen im Kleinen, um ein Miteinander in Europa auf politischer Ebene im Großen anzustreben. Im Ergebnis wird "alte" und "neue" Heimat eins, nämlich unsere Heimat in einem offenen und partnerschaftlichen Europa. Grüße und gute Wünsche vom BdV, Kreisverband Dortmund sprach dessen Vorsitzender, Herr Helfried Glawe aus. Er betonte, dass das Leitwort des Treffens für uns Vertriebene und die Europäische Gemeinschaft gleichermaßen gelten sollte. Wenn man das Gerangel um die Realisierung bzw. den Aufstellungsort des Mahnmals "Zentrum gegen Vertreibungen" verfolge, könnte man daran jedoch zweifeln. Nicht nur wir Heimatvertriebenen oder der BdV, sondern das ganze deutsche Volk sollten hinter der Gedenk- und Mahnstätte stehen, dass sie in Berlin errichtet würde. Mira Kreska, Vorsitzende des Deutschen Freundeskreis "Rosch" aus Johannisburg führte in ihrem Grußwort aus, daß es für sie eine große Ehre sei, den Teilnehmern des Treffens herzliche Grüße von den Mitgliedern des Vereins aus der Heimat zu übermitteln. Sie bedankte sich für die erfahrene Hilfe und Unterstützung auch im laufenden Jahr, die es ermöglicht haben, alle Vorhaben und Aufgaben erfüllen zu können. Ohne diese Zuwendungen der Landsleute wäre der Verein "Rosch" nicht funktionsfähig. Den Spendern und Unterstützern versicherte sie, dass jegliche Hilfe für einen guten Zweck gerecht und ehrlich verwendet würde. Den Anwesenden wünschte sie abschließend alles Gute, Wohlergehen und Glück. "Am Brunnen vor dem Tore" war eine folgende Sangesdemonstration des Chores. Der langjährige Kreisvertreter der Gemeinschaft, Gerhard Wippich, zeichnete vor Beginn seiner Ansprache vor dem Forum des Kreistreffens einige Mitglieder der Kreisgemeinschaft in Würdigung ehrenamtlicher Tätigkeit für die Gemeinschaft und Heimat mit Ehrenurkunde und -spange aus: Ursula Grabowska, Doris Woytewitz, Willi Reck, Ditmar Leymanczyk und Herbert Soyka. Die Aussage des gesungenen Liedes: "Sonne der Gerechtigkeit, gehe auf zu unsrer Zeit", trifft für den Anlass des Treffens, für die Versammelten hier und heute nur als Wunsch zu. Mit dieser Anmerkung begann der Festredner seine Ansprache. Nach der Vertreibung haben die Betroffenen in einer neuen Umgebung wieder Boden unter die Füße bekommen, dabei erfahren müssen, dass sich der ursprüngliche Sinn des "Tages der Heimat" als Gedenktag aller Deutschen zum Tag derjenigen gewandelt hat, die ihre Heimat verloren hatten. Aus eigenem Erleben ist die Erkenntnis gekommen, dass Heimat nicht nur ein geographischer Begriff ist, sondern, dass auch die Menschen dazugehören, die dort sind, dort leben, dort aufgewachsen sind. Auf die heutigen Verhältnisse bezogen, fällt es schwer von einer Volksgruppe in der Heimat zu sprechen, wenn man feststellt, dass im Deutschen Verein "Rosch" in Johannisburg von etwa 350 Mitgliedern nur eine erschreckend kleine Anzahl in der kleinsten Zelle einer Kulturgemeinschaft, in einer - rein deutschen - Familie zusammenlebt. Der Normalfall ist heute die nationale Mischehe. Vor 48 Jahren, bei den ersten Treffen, glaubte man noch, gemeinsam in die Heimat zurückzukehren. Die Realität ist heute ganz anders! Aus dieser Tatsachse heraus hat die Kreisgemeinschaft in den letzten Jahren ihr Augenmerk darauf gerichtet, Erinnerungsstätten herzurichten. Gemeinsam mit polnischen Stadt- und Gebietsrepräsentanten sind Kriegsgräberstätten in Frankreich, Belgien, Holland und Flüchtlingsgräber in Dänemark aufgesucht worden. Die Zielvorstellung: Menschen sollten begreifen, dass Tote, wenn sie in fremder Erde ruhen, aus anderen Ländern und Nationen sind, eine würdige Ruhestätte verdient haben. Hier hat die Arbeit der Kreisgemeinschaft Früchte getragen. Viele deutsche Friedhöfe in Ostpreußen wurden zu Kulturdenkmälern erklärt, so auch der alte Johannisburger Stadtfriedhof. Dank finanzieller und anderer Voraussetzungen, eines Spezialfonds, Spendengeldern und wohlwollender Unterstützung örtlicher Organe ist nach viel Arbeit die Friedhofskapelle als Erinnerungs- und Begegnungsstätte hergerichtet worden. In einer sehr würdigen Feier fand die Einweihung im Mai 2003 in Johannisburg statt. Hierbei ist im Kreise der Teilnehmer eine schöne, passende Bezeichnung gefunden worden: Friedenskapelle. Sie soll als Symbol für einen dauerhaften Frieden zwischen den Völkern stehen. Das Ende des Friedens bedeute immer Krieg. Weitere Ausführungen gab es zum Streit über den Standort des vom BdV initiierten nationalen Mahnmals "Zentrum gegen Vertreibungen". Der Standort gehöre nach Berlin, so wie die Holocaust-Gedenkstätte dort gebaut werde. Allein die Orts- und Zeitnähe kann die Gesamtsicht aller Formen der Verbrechen gegen die Menschlichkeit aufzeigen, die Völker zur Einsicht und zum friedlichen Nebeneinander bringen. Diesbezüglich hat der Kreistag der Kreisgemeinschaft beschlossen, die finanziellen Rückstellungen für das Vertriebenen-Mahnmal auf den Standtort Berlin festzulegen. Abschließend bat Gerhard Wippich seinen alten Weggefährten Gerhard Bosk auf die Bühne. Er würdigte ihn und sein Werk. Dabei gab er bekannt, dass sich beide entschlossen haben, ihre Ämter gemeinsam niederzulegen! Das zuständige Gremium hat als Nachfolger für ihn den Landsmann Willi Reck und Herrn Herbert Soyka als Nachfolger für Gerhard Bosk gewählt. Mit Worten des Dankes für die vielen Jahre der Unterstützung und Anerkennung, für die finanzielle Hilfe, die es möglich gemacht hat, vieles zu bewegen, was ohne Geld nicht zu machen sei, verabschiedete sich der Kreisvertreter vom anwesenden Auditorium mit dem Hinweis, der Kreisgemeinschaft Johannisburg noch erhalten zu bleiben. Er habe die Hauptarbeit abgegeben und sei entlastet worden. Gerhard Bosk war es ein Bedürfnis, aus dem gegebenen Anlass einige Worte zu sagen: 31 Jahre an der Seite Gerhard Wippichs für die ostpreußische Heimat zu arbeiten, hatten sein Leben bereichert. Besonders beglückte es ihn, mit G. Wippich und U. Haffke den Bildband "Im Lichte der Erinnerung" mit Ansichtskarten und Ortslegenden des Kreises Johannisburg fertiggestellt zu haben. Mit seinem persönlichen herzlichen Dank für Unterstützung und Verständnis und der Bitte um Schutz und Obhut durch den Allmächtigen für seinen langjährigen Wegbegleiter Gerhard Wippich und liebe Freunde im Saal schloss er seine kurze Rede. In einer weiteren Änderung des Programms stellte sich Willi Reck als gewählter neuer Kreisvertreter persönlich vor. Es bedankte sich für das in ihn gesetzte Vertrauen und erhoffte sich gleiche Unterstützung für das neue Amt, wie sie sein Vorgänger erhalten hat. In einer Laudatio wurden beide Persönlichkeiten der Kreisgemeinschaft gewürdigt und geehrt. Auszugsweise einige herausragende Fakten: G. Wippich: 41 Jahre tätig im Kreisvorsitz der Kreisgemeinschaft Johannisburg, davon 32 Jahre bis Ende August 2003 Kreisvertreter. Fast 20 Jahre gewähltes Mitglied im Bundesvorstand der LM Ostpreußen, zuletzt der dienstälteste Kreisvertreter in der Landesvertretung. Hohe Auszeichnungen u. a. mit dem Bundesverdienstkreuz und der Ottomar-Schreiber-Plakette. - Der Kreistag ernennt ihn zum Ehrenvorsitzenden! G. Bosk: Seit 1972 in der Vorstandsarbeit als stellvertretender Kreisvertreter tätig. 31 Jahre mit dem Erstellen des Johannisburger Heimatbriefes befasst. Über 150 Versorgungsfahrten in die ostpreußische Heimat, nach Masuren, trotz angegriffener Gesundheit. Er wird dafür als "Engel von Masuren" bezeichnet. Ist Verfasser vieler Bildbände und Fotoserien. Für seine Diavorträge über die Heimat kann er auf mehr als 5.000 Farbdias zurückgreifen. Auszeichnungen wie auch sein Mitgeehrter: Bundesverdienstkreuz und Ottomar-Schreiber-Plakette. - Der Kreistag ernennt ihn zum Ehrenvorstand! Mit dem Lied "Treue zur Heimat", als Zugabe vom Chor gesungen, entspannte sich die Aufmerksamkeit. Der Organisator des Dortmunder Hauptkreistreffens, Herbert Soyka, hielt das Schlusswort. Er informierte vorab, dass das nächste Hauptkreistreffen wieder zu normalem Termin, am 1. Sonntag im September, dem 5. Sept. 2004, im Goldsaal der Westfalenhalle Dortmund stattfinden wird. Mit dem gemeinsamen Singen des Ostpreußen- und der 3. Strophe des Deutschlandliedes klang die Feierstunde aus.
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