
Eine Fahrt in die Heimat
Einweihung eines Gedenkkreuzes
für den letzten deutschen ev. Pfarrer in Drigelsdorf
Die Drigelsdorfer Dorfgemeinschaft machte eine Busfahrt in
ihr Heimatdorf, um dort auf dem ehemals deutschen Friedhof ihrem letzten Pfarrer
Bruno Braczko ein Gedenkkreuz zu setzen. Der Gedanke zu dieser Fahrt entstand im
November 1997 beim Dorftreffen in Bad Pyrmont,
Kurt Zwikla,
Vertreter des Kirchspiels, machte den Vorschlag. Die meisten waren von diesem
Vorhaben begeistert und so wurde gleich die Fahrt beschlossen. Am 10. Juli 1998
ging es Ios. Die ersten stiegen in Neuss ein, wo die Fahrt begann, andere an
vereinbarten Plätzen. Die Fahrt verlief zügig und so kam man gut in Johannlsburg
an, wo auch gleich die Quartiere bezogen wurden. Am nächsten Morgen fuhr man
nach Drigelsdorf, wo für 11 Uhr die Besichtigung
der Kirche anstand. Der polnische Pfarrer Bebenek empfing die Gruppe sehr
freundlich und führte sie in das Gotteshaus. Er zeigte stolz die renovierte
Kirche und alle Drigelsdorfer waren erstaunt, in welch gutem Zustand ihre Kirche
war. Auf der alten Orgel, die noch jeder kannte, durfte Frau Schwemer geb.
Joswig aus Drigelsdorf spielen, begleitet wurde sie von Alfred Joswig auf der
Posaune. Die meisten der Gruppe hatten nach 50 Jahren ihre Plätze von der
Konfirmation eingenommen. Mit Tränen in den Augen wurden die alten Kirchenlieder
gesungen. Ein unvergeßlicher Tag für alle Anwesenden!
Anschließend lud der Drigelsdorfer Reiner Kruklinski zu einem
Spaziergang durch das Dorf ein. Die meisten besuchten ihre Geburtshäuser und
wurden freundlich empfangen. Am nächsten Tag wanderten wir von
Erztal über
Misken durch den Drigelsdorfer Forst.
Am Sonntagvormittag nahmen alle am ev. Gottesdienst teil, wo
sie von Pfarrer Rey begrüßt wurden. Um 15 Uhr versammelte sich die Gruppe mit
vielen polnischen Gästen zur Einweihung des Kreuzes auf dem Friedhof. In seiner
Begrüßungsrede bedankte sich
Zwikla bei allen
Anwesenden und sagte: Deutsche und Polen, katholische und evangelische Christen
haben sich hier versammelt, um dem deutschen Pfarrer, der an dieser Kirche 12
Jahre Gottes Wort verkündet hat, die letzte Ehre zu erweisen. Zwikla begrüßte
den katholischen Pfarrer Bebenek, den evangelischen Pfarrer Rey und den
Drigelsdorfer Bürgermeister sowie den Steinmetz Klinski aus Arys, der das Kreuz
gefertigt hat. Reiner Kruklinski sprach einige Worte des Dankes für Pfarrer
Braczko, der immer versuchte, das christliche Leben in den Vordergrund zu
stellen. Klaus Wulf, dessen Frau eine geborene Joswig ist, sprach einige
Bibelworte, gesungen wurden die Lieder: „Lobe den Herren", und „Nun danket alle
Gott'. Dann weihte Pfarrer Rey das Kreuz ein. Zum Schluß erklang
das Ostpreußenlied,
begleitet mit der Posaune von A. Joswig. Nach der Feier ging es zum gemütlichen
Beisammensein; bei reichlich Kaffee und Kuchen wurde viel geschabbert und alte
Erinnerungen wurden ausgetauscht. Deutsche und Polen kamen sich an diesem Tag
näher und freuten sich, mit dieser Feier etwas für die Völkerverständigung getan
zu haben. An den letzten Tagen dieser Reise, bei der 42 Drigelsdorfer dabei
waren, fanden eine Schiffahrt Rudcziany-Nikolaiken, eine Busfahrt durch
Masuren und Besichtigungen und
Kranzniederlegungen an den
Gedenksteinen im Kreis Johannisburg statt. Gesund und munter und voller
Eindrücke aus der unvergeßlichen Heimat, mit dem Lied: „Nun ade, du mein lieb
Heimatland", trat die Drigelsdorfer Gruppe die Heimreise an.